Montag, 25. Januar 2016

Ehrenamtliche und ihre Motivation

Eine Tatsache aus dem US-Kulturmanagement Alltag hat mich nachdrücklich beeindruckt: Die große Zahl von Ehrenamtlichen, die in allen Arbeitsbereichen und auf allen Ebenen mitarbeiten. Die ArbeitsstundenEhrenamtlicher, die in den USA jährlich zusammenkommen, sind atemberaubend. Das Westcott House, das ich für drei Jahre leiten durfte, hatte 10 Angestellte in Voll- und Teilzeit und 100 ehrenamtliche Mitarbeiter. Immer wieder hat mich erstaunt zu hören, warum Menschen das ehrenamtliche Engagement suchen, denn das war in erster Linie nicht die tolle gemeinnützige Institution und der ehrenwerte Zweck, sondern vor allem das Bedürfnis soziale Kontakte zu knüpfen. Meine beiläufige Beobachtung deckt sich interessanterweise mit den drei Ebenen der Motivation, die Thomas W. McKee für Ehrenamtliche definiert:

Basic Level: Self-serving Drive
Eigennützige Gründe stehen bei der Entscheidung sich ehrenamtlich zu engagieren im Vordergrund. Der Wunsch nach Zugehörigkeit oder Freundschaft, vielleicht auch berufliche Kontakte knüpfen zu können, scheinen ausschlaggebend. Deshalb ist es so wichtig, für die Ehrenamtlichen immer wieder auch soziale Zusammenkünfte zu veranstalten, die den eigennützigen Zwecken Erfüllung geben.

Secondary Level: Relational Drive
Es fällt schwer, einem Freund eine Bitte auszuschlagen. Wer sagt schon gerne Nein? Viele Menschen werden an das Ehrenamt durch Freunde herangeführt – und wenn es gut läuft, bleiben sie. Ein Recruiting-Team kann durch persönliche Kontakte ungeahnte Potentiale heben.

Highest Level: Belief Drive
Überzeugung ist das höchste Level der Motivation. Wenn Ehrenamtliche sich aufgrund ihrer Leidenschaft für den gemeinnützigen Zweck einer Organisation engagieren, können wir den größten Einsatz erwarten. Als Kulturmanager sollte unser Ziel sein, die Motivation von Ehrenamtlichen zu erkennen, sie zu bedienen und sie mit der Zeit auf die Ebene der Überzeugung zu führen und dort zu halten.

Dienstag, 19. Januar 2016

Ist die virtuelle Realität der nächste grosse Fundraising Trend?

Appeal to the heart – der Appell ans Herz der Spender ist ein Leitspruch aus der amerikanischen Fundraising-Lehre bei der Erstellung von erfolgreichen Kampagnen. Dieser Appell lässt sich am eindringlichsten durch Bilder vermitteln. Denn auch hier gilt: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Und da der klassische Fundraisingbrief auf eine Seite begrenzt sein sollte, greifen auch gemeinnützige Organisationen immer wieder auf herzerweichende Bilder von leidenden Kindern und Tieren zurück.

Im digitalen Zeitalter gibt es die Möglichkeit auf vielfältigen Plattformen und durch interaktive Kommunikationsmittel diesen Bildern Dynamik zu verleihen. Insbesondere im humanitären Bereich experimentieren Aktivisten und Filmemacher mit Virtual-Reality-Technologien mit dem Ziel, emotional stärkere Verbindungen zwischen potentiellen Spendern und dem gemeinnützigen Zweck bzw. der helfenden Organisation herzustellen. Mit Hilfe neuester VR-Brillen und Videomaterial soll ein unmittelbareres Bild von Zerstörung, Armut, Krieg und Umweltkatastrophen vermittelt werden.

Dieser innovative Weg, um zum Spenden zu animieren, stützt sich auf vorläufige Ergebnisse, die zeigen, dass immersives Storytelling tatsächlich das Einfühlungsvermögen erhöht. Von Reisen in syrische Flüchtlingslager zu Führungen durch Nepal nach dem verheerendem Erdbeben – die Pioniere der virtuellen Realität hoffen, dass diese Art detaillierter Einblicke die Zuschauer zu größeren Spenden inspirieren. Amnesty International führte vor kurzem einen Strassentest in London durch. Mithilfe von Google Goggles wurde Passanten eine VR-Tour durch Aleppo in Syrien gezeigt. Das Ergebnis war ein 16 prozentiger Anstieg von Spenden.

Sowohl von den Bildenden als auch von den Darstellenden Künsten können wunderbare bewegte Bilder gezeigt werden, die einen Spendenzweck eindringlich vermitteln. Viele Kulturerlebnisse werden von Besuchern als „erleuchtend“ wahrgenommen – ein Alleinstellungsmerkmal, das Kulturmanager in diesem Fall für Fundraisingzwecke fantastisch virtuell kommunizieren können.

Best Practice: Pay It Forward am Columbia Center for the Arts

                                                              Photo c redit : SCO City News Das Prinzip von Pay it Forward ist einfach u...